Claudia Jakobi | Uni vs. FH. Mein persönlicher Erfahrungsbericht.
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uni wien

Uni vs. FH. Mein persönlicher Erfahrungsbericht.

Nach der Matura war für mich klar – ab auf die Uni. Eine FH kam für mich damals überhaupt nicht in Frage. Ich wollte endlich meinen Stundenplan selbst erstellen und auch selbst entscheiden, wann ich welche Prüfung bei welchem Vortragenden absolviere oder von wem ich Wissen vermittelt bekommen will. Nun ja. Nach fünfeinhalb Jahren Uni (Bachelor und Master in Publizistik an der Uni Wien) bin ich doch noch auf der FH gelandet. Zwar nicht in Wien, aber in Graz. Und es ist nicht ganz so schlimm wie damals gedacht. Das liegt aber vermutlich auch am Studiengang. Die FH unterscheidet sich jedoch in sehr vielen Punkten (stark) von der Uni. Und nachdem ich immer wieder gefragt werde, was denn nun „besser“ sei, dachte ich mir, ich verpacke meine persönlichen Erfahrungen in einen Blogpost.

Kann das jeder machen?

Was es auf der Uni nur bei wenigen, überfüllten Studiengängen gibt, ist bei der FH Normalität: eine Aufnahmeprüfung. Ich habe zwar auch auf der Uni eine Aufnahmeprüfung machen dürfen, die ist aber deutlich anders verlaufen, wie die an der FH. Ich habe im Wintersemester 2007 Publizistik zu studieren begonnen und da gab es dann erstmals Aufnahmeprüfungen. Die sahen so aus: Alle (das waren ca. 1500 Personen) wurden zugelassen und mussten im ersten Semester 3 Prüfungen, ein Seminar und zwei Fachtutorien besuchen. Für die Prüfungen gab es dann Punkte, die am Ende des ersten Semesters zusammengezählt wurden. Die rund 960 Personen mit den meisten Punkten und positiv abgeschlossenen Seminaren durften weiter studieren, für alle anderen war hier Schluss.

An der FH kommt man erst gar nicht so weit, denn an einer Fachhochschule muss man bereits vorab eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Die besten rund 20 – 30 Personen (variiert je nach Studiengang) werden dann zum Studium zugelassen und können sich offiziell an der FH „einschreiben“. Für den Studiengang Content Strategie in Graz musste ich Motivationsschreiben, Lebenslauf, Arbeitszeugnisse und ein Portfolio einschicken. Wer die „formalen“ Voraussetzungen erfüllte wurde dann zum persönlichen Gespräch eingeladen. Danach erfolgte eine Reihung der besten Bewerber. Und yay, ich war dabei. Nachdem das Studium ein berufsbegleitender Master ist, wurde auch viel Wert auf den aktuellen sowie auf vergangene Jobs gelegt.

Hilfe, soooooo vü Leit!

Ein mega Unterschied zwischen FH und Uni liegt ganz klar in der Anzahl der Studierenden. Während ich zu Beginn meines Publizistik-Studiums mit über 1000 weiteren Studis das Audimax in der Hauptuni teilen musste (ja, das sind auch immer einige am Boden gesessen oder haben die Bühne für sich beansprucht), sitze ich an der FH mit meinen 23 Kolleginnen und Kollegen in kleinen Seminar-Räumen. An der FH kennt man daher seine Kollegen binnen kürzester Zeit, an der Uni ist man in jeder Vorlesung von neuen Menschen umgeben. Und ja, das hatte auch was. Aber ich muss schon sagen, es ist ganz gut eine Klasse zu haben, auf die man sich verlassen kann und in der ein großer Zusammenhalt besteht (#cosbuddies).

Die Kluft zwischen Theorie und Praxis. Und was die Lehrenden damit zu tun haben. 

Nicht nur bei den Studis sondern auch bei den Lehrenden gibt es Unterschiede. Das liegt auch zwangsweise daran, dass an der Uni eher Theorie und an der FH eher Praxis gelehrt wird. Die meisten Personen von denen ich an der Uni unterrichtet wurde, sind seit Ewigkeiten an der Uni Wien angestellt und setzen sich auf einer sehr theoretischen, wissenschaftlichen Ebene mit den Themen auseinander. Das merkt man dann natürlich auch im Unterricht. Uni = theoretisches, abstraktes Wissen = teilweise schwer auf die Praxis umzumünzen. Deswegen kommt dann meist bei Praktika oder ersten Jobs die Ernüchterung, dass man „ja nichts Gescheites“ an der Uni gelernt hat. Aber das stimmt nicht. Ich habe sehr viel an der Uni gelernt. Wenn auch nicht zwingend wie man schöne Konzepte schreibt oder journalistische Texte verfasst. An der FH ist vieles anders. Da bekommt man fast keine Theorien etc. vermittelt sondern wird gleich mit Cases aus der Wirtschaft konfrontiert und soll da sein „Können“ anwenden. Was jetzt besser ist, sei mal dahingestellt. Es sind einfach zwei unterschiedliche Zugänge. Jedenfalls werden wir im Studiengang Content Strategie von sehr sehr vielen Experten unterrichtet, die alle in der Wirtschaft tätig sind. Das ist schon sehr fein. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die Disziplin noch sehr jung und daher das theoretische Wissen knapp ist. Who knows.

Wer kann meine Unterschrift fälschen? Na Schmäh. 

Ein weiterer Punkt betrifft die Anwesenheit bei Lehrveranstaltungen. Während man an der Uni „nur“ bei (Pro-)Seminaren, Übungen etc. anwesend sein musste (nein, bei Vorlesungen besteht keine Anwesenheitspflicht) muss man an der FH grundsätzlich immer anwesend sein, egal um welche Form von Lehrveranstaltung es sich handelt. Fehlt man, soll man das Defizit in Form von Extra-Aufgaben kompensieren. Eine Erfahrung, die wohl viele machen, die an der Uni sind / waren: Während ich im ersten Semester bzw. in den ersten Semestern eigentlich immer anwesend war, habe ich am Schluss immer weniger Vorlesungen besucht. Das lag aber vor allem auch daran, dass die Lehrenden meist nur aus einem Skript vorgelesen haben. Ja, ich weiß, es heißt ja auch Vorlesung. Aber ich sehe wenig Sinn, mich in solche Vorlesungen zu setzen – lesen kann ich schließlich selber. Und ja, es gab teilweise nicht einmal weiterführende Inputs.

Herr Professor oder Robert?

Ganz klar, an einer FH ist alles viel persönlicher. Man kennt sich und duzt sich daher an der FH auch einfach. An der Uni hatte ich in den fünfeinhalb Jahren, soweit ich mich erinnern kann, zwei Kurse in denen man sich duzte, ansonsten werden die Lehrenden per Sie und die Studierenden per Matrikelnummer angesprochen. Was ich an der FH extrem faszinierend fand waren die ersten Präsenzstunden. Heinz, unser Studiengangsleiter, kannte – obwohl wir uns davor nur ein paar Wochen online kennengelernt hatten – von jedem einzelnen den Namen, wo er arbeitet, was seine Hobbys sind, wo er studiert hatte und noch ein paar weitere Details. Das fand ich schon sehr sympathisch und war für mich nach der Uni natürlich eine ganz andere Erfahrung. Eine sehr gute wie ich meine.

Das Pokern um die Seminar-Plätze. 

Tja, der Vorteil einer FH-Klasse: Man hat einen Stundenplan und den zieht man einfach durch und jeder hat logischerweise immer einen Platz in den Seminaren. An der Uni ist das anders. In die Vorlesungen kommen zwar immer „alle“ rein, aber bei den Seminaren heißt es vor jedem Semester: Schwitzen, Glück haben und die Atomuhr stellen. Denn Plätze wurden im Halbstunden-Takt nach dem „First Come, first Serve“ Prinzip vergeben. Wer eine schnelle Internet-Verbindung hatte, war also klar im Vorteil. Ich hatte Gott sei Dank immer ganz viel Glück und bin immer in alle Seminare rein gekommen, in die ich wollte. Und ja, nachdem immer zur gleichen Zeit, ganz viele Studis auf einmal online waren und im Millisekunden-Takt die Website aktualisiert haben, ist der Server natürlich auch des Öfteren zusammengebrochen. Und dann erschien plötzlich eine hässliche gelbe Ente am Bildschirm (die Publizistik-Studis wissen wovon ich spreche). Im letzen Drittel meines Unistudiums wurde dann auf ein anderes System umgestellt. Jeder Studierende hatte pro Semester 1000 Punkte zu vergeben, die er auf die Seminare in einem Zeitraum von ein paar Wochen Anmeldephase aufteilen konnte. Diejenigen mit den meisten Punkten sind dann in die jeweiligen Seminare reingekommen. Oder auch nicht. Das doofe an dem Uni-System: Nachdem sehr viele Seminare aufbauend sind, kann es leicht passieren, dass sich das Studium um ein paar Semester verzögert, alleine deshalb weil man keinen Seminarplatz bekommen hat. Das ist echt bitter.

Slack, Mail oder doch lieber in die wöchentliche Sprechstunde?

Der Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden ist ja nicht unwesentlich im Studium. Während es auf der FH relativ leicht geht, die entsprechenden Personen via Slack, Twitter, Mail, Telefon(!) oder Google+ (zu Beginn des Studiums) zu kontaktieren (und auch eine Antwort zu bekommen), war der sichere Weg an der Uni der Gang zur wöchentlichen Sprechstunde. Dort bekam man dann fix eine Antwort, musste dafür aber auch etwas Sitzfleisch mitbringen, war die Schlange doch meist etwas länger.

Was ich noch sagen wollte.

Meiner Meinung nach haben beide Einrichtungen ihre Berechtigung, verfolgen beide doch unterschiedliche Ansätze. Ich bin jedenfalls froh, dass ich sowohl an der Uni als auch an der FH studierte bzw. studiere.

 

Es handelt sich hier um meine persönlichen Erfahrungen und nicht um eine vollständig Abhandlung der Unterschiede zwischen FH und Uni.

 

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